Avant la lettre..

Zeitgemäße Hyperkontextualisierung!

Mit einem ipad in der Hand, versunken im stummen Trott, tappen ca. 30 Personen Mittwoch Nachmittag durch einen dunklen Raum. Gedankenverloren, scheinbar. Monoton, anmutend. Hier und da auf einem Sessel kauernd, gleichsam mystisch fixiert.

Art in the dark! Draußen scheint zur Abwechslung die Sonne, doch Drinnen locken die fensterlosen Räume mit Urban Culture, Kultur:STADT, grandios kuratiert und umgesetzt von Matthias Sauerbruch. Die Frage: Was ist dran an der Aussage von Richard Semett, führt die moderne Stadt zum Verlust der Öffentlichkeit? Vereinsamen wir aufgrund der schwindenen, kollektiven Identität? Fehlt uns die ureigene, gesellschaftliche Kultur, um weiterhin als Gemeinschaft existieren zu können? Verroht durch die dauerhafte Überreizung, die Auflösung jeglicher Anonymität als auch durch die Maskerade der scheinhaften Architektur, von Glas ummantelt?

Spannender Themen-Mix, Zeitspannen Chronologie, Vielseitige Möglichkeiten, Uneindeutigkeit gebündelt in einem Tablet. JedeR BesucherInn führt sich ihren/seinen eigenen Weg durch die Ausstellung bzw. erschafft sie immer wieder auf ein Neues selbst. Partizipation und Innovation. Kunst zum Anfassen, reinzoomen und weiterstreichen. Fotos, Dokumentationsmaterial, Karten, Kunstfilme, Interviews mit dem Kurator, Zeitungsausschnitte und und und. Mehr als 7 Stunden lang könnte man in seinem ipad versinken und dabei Schritt für Schritt oder kreuz und quer den weitläufigen Exponatenraum durchschreiten. In den Vitrinen, getaucht in dämmriges Licht, finden sich 37 Archikturmodelle, gruppiert in 6 Themengebiete rund um den urbanen Kulturraum. Soweit die Auswahl. Gezeigt werden Gebäude, verstreut auf fast allen Kontinenten (Afrika fehlt), die auf individuelle, künstlerische Art und Weise in den Dialog mit ihrer Umwelt treten. Entsteht hier Kultur? Verschwimmt Innen und Außen? Wird Architektur zur Membran oder gar zum Enzym, das aktive Reaktionen und Veränderungen auslöst? Oder bleibt das Gebilde fremd, zurückgezogen, abseits oder gar abweisend? Verschließt es sich vielleicht der näheren Betrachtung oder bietet es Schutz vor der Außenwelt?

Hinweise finden sich ringsum an den Wänden, gerahmte Skizzen und Baupläne verraten die Grundrisse und Wandskelette. Doch die schließliche Deutungshoheit obligt der/m BetrachertIn. Immer dem ipad nach. Hier könnten tatsächlich in den Raum Leitelemente ergänzt werden, um non-mediale Erfahrung weiter auszubauen. Gleichwohl gerade diese Mobilität den eigenständigen Reiz der Ausstellung ausmacht! Die einzelnen Vitrinen sind nur druch große Nummern auf dem Boden markiert. Wollte man eine direktere Interpretation anleiten, können z.B. Farbpunkte – ähnlich einer Etikettierung wie man sie etwa von Speiseverpackungen kennt – helfen, um weitere Sichtachsen unter die Gebäudeumrisse zu spannen. Gelber Punkt: Integratives Konzept. Roter Punkt: Aufarbeitung traditioneller/historischer Gebäudestrukturen. Blauer Punkt: Flucht aus der urbanen Wirklichkeit. Dieses bunte Farbspektrum würde sofort die einmalige, manikfaltige Perspektivenwahl der Ausstellung verkörpern. Sie ist jedoch nur ein kleiner Anreiz, entstanden aus Begeisterung.

Stadt als Treffpunkt, Austausch, Netzwerk, Prestige, Distinktionsmittel, Standortfaktor, Integrationsvermittlung, Selbstzweck und Kindheit.  – Ein kartologischer Kartegorisierungsversuch.

Unbedingt ansehen und selbst durchklicken!!

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