Critique rechargé

„Swarn lake“ Mytopia

Neu, impulsiv, energetisch. Sind das die Worte, die umschreiben was einem als Zuschauer am Sonntag durch den Kopf ging? Nein. Das triff es nicht, bei weitem nicht.

Multipluralität. Antropozän-Gemisch. Perspektivenwechsel. Adaption. Schnittstellenkonvergenz.

Auch diese Worte passen nicht, vermögen nicht die Authentizität des Stückes wieder zu geben.

„Am Arsch!“ Täte es eher. Hier war alles anders. Nicht weil es anders sein musste, kein Zwang zur kreativen Innovation. Hier wurde gekonnt geslamt, zusammengefügt, ergänzt und aufgemischt. Herauskam ein explosiver Cocktail aus Tanz, Musik, Design, Licht, Schatten, Körpersprache, Leben, Abgrund, Sucht und Tod.

Gemeint ist Fredrik Rydmans Remix von Tschaikowskys altehrwürdigem Schwanensee. Die Frage nach Original und Kopie stellt sich nicht. Erst recht nicht nach Aura. Denn des Schwedens neue Moves sind einzigartig! Keine Sekunde blieb die Bühne ungenutzt, 90 Minuten wurde jede Dimension voll ausgeschöpft. John Cage hätte seine wahre Freude gehabt!

Profan? Ballettkunst zum Musical „verkrümmt“? Effekthascherei im Rampenlichtgewitter?

Absolut und dankbar. Zeitgenössisch und stilsicher vermischt. Keine klare Linie, keine Dualismen, kein Drinnen oder Draußen. Alles Eins. Culture Clash.

Ein lauter Knall am Ende. Federn fliegen. Der heroinsüchtige Schwan ward tot.

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