Ecofresh Art

The Canadian Megaevent

Die Dichotomie Kunst und Ökonomie ist wie so oft ein begriffliches Dilemma, erklärt Majectica Potrc. Das Wort „Kunstmarkt“ impliziert sukzessiv eine addierbare Verbindung, dabei ist der Kampf des scheinbaren und wirklichen Zusammenhangs noch längst nicht ausgefochten. Kunst, sieht Potrc dabei als Mediator, nicht als Gegenstand des Forschungsprozesses. Sie interessiert die KULTUR. Urban livestyle versus rural neighbourhood. Wie und wo wollen wir in Zukunft leben? Diese Frage stellt sich nicht nur den KünstlerInnen, sie betrifft uns alle, global.

Pathetische Worte. Schweigen im Saal. Halb Lüneburg mit samt der Kunstszene „aka“ Kunstraum MitarbeiterInnen hat sich im niedersächsischen Ministerium in Berlin eingefunden. Auf Augenhöhe mit dem Brandenburger Tor. Während also die Hubschrauber am Himmel kreisen und das Fußvolk der hiesigen Polizei alles daran setzt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu beschützen, findet im kühlen Glasbau die Veranstaltung Nachhaltigkeit: Kunst statt.

Ein Zusammentreffen verschiedener Welten. Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur, Nachhaltigkeit. Kontroverse Diskussion im kubistischen Quadrat oder „Flachzangenbowle“, wie sich gestern ein deprimierter Unternehmer beim Gründerstammtisch über die Eventgänger in Berlin äußerte.

Die „Wahrheit“ liegt im Auge des Betrachtes oder in der Interpretation des Künsters, warf Niko Wolf ein. Der diesjährige Gewinner des Daniel Frese Preises kritisiert in seinen eingereichten Exponaten den obsoleten Kunstmarkt. Dessen fast schon imanente Überproduktion verwirklichte Wolf in der peinlich genauen Messung unterschiedlichster Maulwurfhügel, als Objekte der „Begierde“. Der ursprüngliche Schandfleck wurde ins Rampenlicht gezerrt, fotografiert, vermessen und anschließend von eine kuratorischen Jury bewertet und preisgekröhnt.

Diese postmoderne Skepzis, kritisch kratzend an der Fläche der Oberflächlichkeit, durchdrang das Thema Nachhaltigkeit jedoch noch nicht vollends. Diego Castro  ergänzte den Aspekt des nachhaltigen Werkbegriffs der Kunst, welcher immer stärker dem  „Lebens- oder Produktzyklusses“  der Ökonomie gleiche. Wer macht was? Wie kann man „ES“ ausschlachten und wer verdient daran. Nicht der Künstler, so Castro, in Berlin wären es gerade einmal 3%, die mit der Kunst ihre Rechnungen bezahlen könnten. Ein Raunen. Doch keine Veränderung. Der „Markt“, die „Kunst“. Alle sind wieder und immer noch Teil davon. Die unausgesprochene Illusion, der Glaube an den Sinn, das Forschen und Denken in Werken. Das alles hält „Das UNS“ in dem Saal.

Mit Jeff Derksen tritt ein Kritiker auf die Bühne, der den Zeigefinger wieder in die andere Richtung dreht. Kanada, Vancouver, grünste Stadt der Welt in 2020. Reicht eine städtebauliche Marketingkampange aus, um sozio-ökologisches Gedankengut umzusetzen? Die lebensgroßen Sperlinge in der nordamerikanischen Großstadt können die Ideen jedenfalls nicht mehr von den Dächern pfeifen. Am Ende also alles Lug und Trug?

Dan Petermann macht Hoffnung, mit klarer Simplizität. Landart. Bilder. Ausblicke. Materialen, nicht der Natur entnommen, sondern zu ihr wieder zurück geführt. Alles eins. Alles ein Kreis. „Cradl to cradl„. Petermann spitzt den Ansatz zu: Wenn Nachhaltigkeit erfolgreich umgesetzt würde, müsste sie sich selbst abschaffen, da sie überflüssig würde. 3 Grad Klimaerwärmung auf 2, hatte Dr. Rüdiger Haum einleitend gesagt. Das ist ein Ziel. Bald ist 2050. Braucht die Kunst solch dokmatische Impulse? Wird sie sonst dieser Tage belanglos, wenn doch ringsum die Sierenen häulen.

Oder ist es am Ende einfach die Kultur, die uns alle antreibt und nicht l’art pour l’art? Die Gemüter und Substantive werden das schon ausdiskutieren.

Cheese! (Plan b)

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