Frühstück mit Lissitsky –

…oder sexy time with Malevich

Was verbindet geometrische Formen und Sex? Zeitgenössische Kunst aus Moskau.

Junge Wilde aus „dem Osten“. Kreative der neuen Generation, denen man die Mauer erst noch erklären musste. Der jüngste erst 17 Jahre alt. Und doch wandern ihre Werke bereits durch London, Paris, New York – natürlich Moskau – und nun Düsseldorf. Im KIT zeigt sich Kunst im Tunnel: jung, arm, sexy, provokant, realistisch, nicht gewollt. Ein Konzept, das passt. Russland im hier und jetzt, aus der Perspektive der KünstlerInnen 2.0. Party, Depressionen, Reichtum, Verwahrlosung, Kälte, Gitter und die Mauer als individuelle Durchpausvorlage. Der Zuschauer wird aktiv. Greift zum Griffel und erschafft sie selbst, die Vorurteile, die Version einer alten Fassade, die immer noch Gräben zieht. Die Welten trennt. Frieden und Krieg. Moderne und technischer Rückstand. Proletariat und Highsociety. Aber verläuft die Grenze immer noch zwischen Ost und West? Die Ausstellung „I am who I am“ stellt dies gekonnt in Frage. Ohne plakativ zu sein. Eingerahmte Erdkruste auf dem Boden, wohlhabende Oligarchenkinder in goldenen Kristallvitrinen, mit Kalaschnikow, anstatt der Puppe im Arm. Dafür Plüsch-Karosserien, illegale Autorennen, auf dem Highway in eine bessere Zukunft. Der „Eiertanz“ der Gesellschaft, beschränkt sich dabei nicht auf eine Nation, sondern vielmehr auf Geschlechterrollen oder soziale Zielvorgaben. Erfolg immer wieder die Richtlinie, gemessen an Verlieren und Aussteigern. Partypeople around the world. Menschen ohne Grenzen, ohne Tabus, ohne Halt. Im Hintergrund das Stöhnen glückselig vereinter Kunstliebhaber, zusammen gefunden im intimen Raum des Verstehens. Oder doch der bloßen Begierde nach Macht und Wissen? Zu guter Letzt das melodische Handorgelspiel einer Schneekugel, die Moskau, die Stadt, den Menschen, das Leid in einem Sturm aus Beatlesklängen unter sich begräbt.

Aufgetaucht aus dem Tunnelreich, der Verbindung zwischen Hafen und Altstadt, liegt nur 200 m Luftlinie den Rhein hinab das NRW Forum. „Rankin. Show off“ als Abstecher auf dem Heimweg. Die Fülle der Bilder hätte allerdings für mehr gereicht. Fashion shoots der vergangen fünfzehn Jahre. Liebe, Gewalt, Tod, Hunger, Modewahnsinn, Hunger, Alter, Wandel. Der Mensch mit Maske, ohne oder als Fabelwesen. Wieder die Suche nach Grenzen. Die Möglichkeiten des eigenen Seins. Aber eben auch Ausbrechen. Der Spielraum der bleibt zwischen Natürlichkeit und absoluter Fiktion. Die Geschlechter und Rollen verzerrt, belanglos oder explizit erforscht. Der Mensch immer noch ein Wunderwesen, Kunst.

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