Von Klischees und Hühneraugen

„Was machen Sie? Nichts, ich lasse das Leben auf mich regnen!“, Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense.

Oléeee, Oléee, Oléeeee! Wie schon vorbei? Egal, es war zauberschön. Rhein-Rhur-Metropole. Egal wo, egal wie, egal zu welcher Zeit. Greif nur hinein ins volle Menschenleben, gerade da wo du’s erwischt – da ist’s interessant! HIER. Das gute alte Rhurgebiet. Im Norden und anderswo nur bekannt als der Pott. Verpöhnt, verkannt. Selber schuld! Da schreien sie alle nach Berlin: BERLIN!! Unterliegen dem Zwang „hip“ zu sein und verstehen vor lauter Hippstertum nicht worum es gehen könnte. „LEVVE„. Ohne Schnick-Schnack, mit viel Zick-Zack. Einfach bodenständig anders. Weil ein bunter Klecks mehr, hier noch auffällt. Ohne gewollte Bedeutungslosigkeit, verkrampftte Zitation vermeintlich großer Ideen oder Gedanken. Nicht kreativ oder künstlich, sondern out of the box. Ob KünstlerIn oder Entrepreneur, der Spirit ist entscheidend. Nicht weil andere sagen, lenken oder erwarten, hier weil’s Sache ist. Sucht man andern Orts nach verlassener Industrie zur zwanghaften Ausgestaltung der Kunst- und Kulturbranche, Ansiedlung ausgefallener Exemplare der seltenen Spezies: Kreative. So leben sie HIER zwischen Jogginghose, rosa Crocs und Prosecco im Plastikbecher. Und das schon lange nicht mehr weil’s nicht anders ginge. Sondern weil’s keine ***** interessiert. Warum? Hier ist noch nicht die DIN-Norm „Anderskultur“ Indie angekommen. Hier kann noch Punk, Rock und „Manga“ die Welt verändern- jeder Jeck nach seiner Fasson. Leben und leben lassen. Und sich nicht kümmern, ob Walters Dackel jetzt pinke Fußnägel trägt, ob das wohl ein neuer Trend ist oder eine Hommage an Van Gogh. Hier ist auch der IT-Tech-Hype noch mit Wasser gekocht. Hier und da ein „Startup“ und all‘ die anderen machen ‚nen Kiosk auf, nen Friseursalon, bunte Cafés, schunklige Kneipen, verquere Designerläden in denen noch realistische Preise und keine Wunschblasen an den Ettiketten haften. In großzügigen Räumen, die nicht die verflossene Elbstrand-Chaussee-Träume ersetzen müssen. Rhein-Rhur-Kultur. Lebt. Pulsiert. Aber explodiert nicht. Wir rocken so. Ohne künstlich Lärm machen zu müssen. Wir feiern uns bei Fortuna, Toten Hosen „Wohnzimmer Konzerten“ und „gemischten Taitellern“ ohne vegan, bio und lifestyle-fresh Siegel. Mit Lebensbausteinen von Aldi, nicht Attitüde von American Apparel. Verknotet zur eigenen Vision: Ich-Identität ohne Fremdbild-Mission und dem Value: Ich han‘ Spaß!

Rhein-Rhur-Romantik? Ist mir egal, ich lass das jetzt so!

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