Rennen um den Titel „König der Winde“

Wettlauf um die Zeit und das eigen Ich

„Der Hengst hatte Angst vor seinem eigenen Schatten, sobald die Sonne drehte, war sein Siegeswillen zurück!“, so der Jockey des jordanischen Königsgestüt, unter der Leitung von Prinzessin Alia Bint Al-Hussein. Das Team, Reiter und Ross, schon 3-fache Champion und doch: Angst über den eigenen Schatten zu springen. Das morgendliche switchen auf Arte ließ mich im jordanischen Wüstensand der „360° – Geo Reportage“ treiben. Zwischen Oasen und tödlichen Sonnenstrahlen, zwischen Glanz und Glorie, zwischen Sieg und Niederlage- egal wie erfolgreich- steht doch das gleiche zentrale Problem vor allen erreichten Zielen: das eigene Ich. Das Ego oder besser die Selbstzweifel. Wofür das alles, wie es bewältigen, welche Hebel dazu betätigen?

Zunächst einmal: einfach anfangen, keine Angst haben, oder sie als Grund nehmen, um bedacht zu beginnen. Schritt für Schritt, den Blick geradeaus, die Gedanken und das Wissen in Vergangenheit, im Hier und Jetzt und Visionen vereint.

Mit diesem Leitmotiv im Kopf geht’s auf zur 2.Runde: Startup Weekend in der Hafen City Universität, nach 18 Std. Das Bild: müde GründerInnen, voller Engerie und Kaffee, gut gelaunt, tief in der Arbeit,  halb zehn morgens in Hamburg. 12 Ideen haben sich gestern Abend, nach dem Pitchen der 120 TeilnehmerInnen heraus gebildet, Teams mit 2-15 Leuten. Wer macht was, wie weit wollen wir kommen, wie präsentieren wir am Sonntag, was ist unser USP, was sagen die Kunden und wie sieht der Markt aus? All diese Fragen beschäftigen die verschiedenen Gruppen, jede für sich voll dabei. Die heutige Yoga-Pause bringt Schwung in die Sache, die 12 MentorInnen Quälität und Hilfe. Das gesamte Orgateam non-stop auf den Beinen, um immer wieder anzuschieben, nachzufragen und das Bio-Catering Food auch mal an den Tisch zu bringen. Freizeit sieht anders aus? Nicht hier. Alle TeilnehmerInnen haben ein Ticket gekauft, auch Non-Profit will finanziert sein, und doch arbeiten hier alle. Warum? Weil’s Spaß macht! Weil gute Ideen entstehen, weite Netzwerke aufgebaut werden und kreativer Austausch unbezahlbar ist, für die eigene Geschäftsidee, das eigene Ego, gegen die Startangst. Check 1 für heute. 120 TeilnehmerInnen motivieren, ohne Angst sich selbst zum Deppen zu machen. Fleißig wird der eigene Einsatz dafür weltweit ge-re-tweetet.

2. Checkpoint Charlie, das Institut KMM in Altona, Tag der offenen Tür. KulturmanagerInnen aus ganz Deutschland geben sich die Klinke in die Hand, ebenfalls bereit die Welt zu verändern. Angefangen im Kultursektor. Weil Kunst auch Wirtschaft ist, braucht und anders herum. Weil 4 Säulen besser tragen als eine Illusion, weil Netzwerk alles ist. Praxis und Theorie ein Zusammenspiel leisten, genauso wie die 11 Mann auf dem Rasen. Wieder, keine Angst vor dem eigenen Schatten. Ansprechen, sich selbst puschen, Fragen stellen, dabei sein. Das Ziel ist eben doch der Weg, egal wie ausgelutscht das klingt. Da freut sich auch der Obdachlose, der zum Kleingeld auch die Wasserflasche und ein freundliches Streitgespräch über Politik und Gesellschaft bekommt. Auf der Dachterrasse zurück, mit Zwischenstopp im Schuhladen, dessen Besitzer nun auch Kultur und Gründung googelt, lebt die Internationale und probt mit Strohhüten und Flaschbier den Aufstand. Zumindest vom Bürostuhl. Ab in die eigene Zukunft. Zurück zum Selbstbewusstsein, weil Zweifeln doch das Zeichen von Bewusstsein ist. Ob das auch für die „Vielleicht Kunst“ der dOCUMENTA (13) gilt werden die nächsten 100 Tage zeigen.

 

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