Gründung macht Kultur!

..aber wo bleibt die Kunst?

Googlet man den Suchbegriff Gründungskultur, sogar in Verbindung mit dem Wort Kreativität, so drängen sich die Uni Oldenburg und Freiburg, in Konkurrenz zu EXIST, um die ersten Plätze. Klarer Fokus: BWL, Innovationsforschung, Wirtschaft. Warum ist das so? Warum ist der Begriff Kultur so ökonomisch besetzt, warum Kreativität ans Strategischen Management abgetreten? Ist die Kunstbranche so abgegrenzt- nicht nur gegen die breite Begriffsdefinition des Wortes Kultur- sondern von den umliegenden gesellschaftlichen Feldern?

Deren Wortwahl scheint sich allerdings grenzenlos frei am sozialen Kapital der Kunst zu bedienen. Gründung ist sexy, jung, modern. Kunst altbacken, weltfremt und moralisch. Wie kommt das, vielleicht auch über die sprachliche Ausdruckskraft? Die Kunstwelt profiliert sich oft durch komplizierte Texte, bezieht sich auf philosophische Theorien oder noch abstrakter, begnügt sich mit nur einigen wenigen Worte. Die Profitseite ist da oft, notgedrungen, um einiges einfacher. Komplex bleibt diese Welt aber doch. Auch hier ist die Idee der Keim allen Handelns; Finanzierung, Marketing und Netzwerk sind die selben Themen, wie in jeder kulturellen Einrichtung auch. Anderes: die Schwellenangst. Sowohl des Publikums, also auch der Veranstalter. Wen möchte man ansprechen, wen erreichen, wirklich offen für alle ist selten. Wie kann man nun gegenseitig lernen, nicht nur profitieren. Die Antwort ist bisweilen simpel, bekannt, aber nicht gelebt. Der Dialog! Einmalig exzellentes Beispiel war das BarCamp des Nordkollegs Rensburg, veranstaltet Anfang Mai. Hier wurden  Foren, Workshops, Vorträge und Pitch wild gemischt, aus und mit Teilnehmern aus allen Bereichen der Kunst und Kreativwirtschaft. Ein weiteres war sicher der KKD Kick-off Abend. Die Beispiele sind jedoch dünn gesät, immer noch sehr ungewöhnlich und oft auch kontrovers aufgenommen. Die Gründerwelt ist da schon etwas weiter, gerade hier in Lüneburg und Umgebung. Der Ideen Slam traf sich erst gestern wieder in der Lüneburger Hausbar, der Gründerworkshop tagt heute Abend im Betahaus in Hamburg und Startup Weekend kündigt sich schon fürs nächste Wochenende in der Hafencity University, ebenso wie der Kulturstammtisch in den Räumen der Halle für Kunst an. Alles Formate, in denen gemeinsam Ideen ausgetauscht werden, Tipps, Anregungen, aber auch offene Kritik auf den Tisch kommen. Transparenz. Partizipation. Nicht banal. Hier werden genauso Netzwerke aufgebaut, allerdings zugänglich für ein breiteres Publikum. Auf Augenhöhe. Warum denn immer schon im Keim ersticken, wenn gegenseitiges voneinander Lernen doch so viel kultureller und ökonomischer ist. Gründungskultur als roter Faden gilt auch- oder gerade- in der Kunst. Jeder Künstler, Freelancer oder Kreative ein Entrepreneur. Dann sollten die Begriffe selbst vielleicht nicht so negativ besetzt sein. Hier ein Versuch aus der Mitte: Interculturelle Kommunikation, Schnittstelle zwischen Kutur, Kommunikation und Wirtschaft.

„Culture is shared learned behavior which is transmitted from one generation to another for purpose of promoting individual and social survival, adaptation, and growth and development. Culture has both external (e.g., artefacts, roles, institutions) and internal representations (e.g., values, attitudes, beliefs, cognitive/affective/sensory styles, consciousness patterns, and epistemologies).  (Marsella; zit. n. Samovar/Porter 2001, 33)

Kunst des Wissenstransfer als Kulturgut erkennen! Das schreibt sich exemplarisch der Wettbewerbspreis Kultur- und Kreativpiloten auf die Fahne. Hier werden Querdenker, Erfinder und Innovatoren gesucht. Ernennt sich darin ein Kulturwissenschaftler oder gar Künstler wieder? Mut zum Aufbruch, Brenchmarkting kann ja kaum schaden. Für alle anderen gibt es den Daniel Frese Preis, Kunst zur Nachhaltigkeit aus der Region Lüneburg.

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