Kulturmanagement

Nichts ist so beständig wie der Wandel

„Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen.“ ,Gutachten der Bundesregierung aus dem Jahr 2009.

Kunst und Kultur unterliegt dem Wandel der Zeit oder dem zeitgenössischen Wandel. Nie herrschte in diesem Bereich ein Stillstand, gar ein Zustand des Vollendeten. Immer bleibt Kunst ein Neubeginn, eine Innovation, die Antwort auf eine neue Problemstellung. Die Kunst brachte stets Trends hervor: Material, Technik, Philosophie, alles im Fluss. Nur eines blieb gleich, der Glaube an die Illusion, die autonome Authentizität der Kunst. Nun scheint diese durch aktuelle Definitionen der Politik in Frage gestellt, gar bedroht oder niedergemacht. „Kulturinfakte“ erschüttern Deutschland, welches sich nach Aussage von Polemikern eh schon selbst abgeschafft hat. Das Land der Dichter und Denker war einmal und der kulturelle Untergang ist nah.

Folgt man dem heutigen Diskurs so könnte man mitunter meinen, Kultur wäre in Deutschland ein aussterbender Gesellschaftsbereich, verdrängt von ökonomischen Bedürfnissen, unbeständig im ständigen Angebot-und-Nachfrage-Kampf. Doch nein, ganz im Gegenteil. Deutschland schafft sich zwar selbst Krisen, erfindet sich aber stets neu- auch (s)eine Kunst. Das künstlerische Feld bewegte sich schon seit jeher eingebettet im sozialen Raum, bestehend z.B aus Ökonomie, Akteuren und vielen unterschiedlichsten Einflüssen. Das heißt meiner Meinung nach aber nicht, dass diese die Kunst oder die Kultur bedrohen. Kulturmanagement verbindet die verschiedenen Strömungen, vernetzt, führt wertvolle Synergieeffekte branchenfremder Bereiche zusammen und nutzt sie. Strategische Planung, Kommunikation, neue Medien, Technik und Ökonomie, sowie Politik, Recht und Soziologie ergänzen den engen Raum der Hochkultur und schaffen Raum für Leben und Kunst. Nicht erst die Avantgarde des 20 Jahrhundert war bestrebt die Kunst ins Leben zu integrieren, was nicht das Leben der Kunst gleichstellt. Nuancen sind ausschlaggebend, Intentionen tonangebend. John Cage versuchte Ton, Bild, Raum, Licht und sogar das Nichts, die absolute Stille, in seinen Werken zu vereinen. Interdisziplinarität war geboren. Gruppen und Kollektive folgten. Und heute? Heute schrecken wir davor zurück sozial Media wie twitter, facebook oder Blogs in den Kunstraum zu integrieren, obwohl sie schon längst Einzug gehalten haben. Die Web Week in Berlin wurde nicht nur von Startups und der Kreativwirtschaft besucht, auch Kulturschaffende und Künstler setzen sich schon längst mit den Vor- und Nachteilen neuer Medien auseinander. Crowdfunding, globale Metropolregionen, Verteilung von Ressourcen in Netzwerken, neue Arbeits- und Austauschformate, alles Themen, die auch die Kunst und Kulturbranche bewegen. Coworking ist das neue Kollektivmodel, Barcamps kommen dem ungeordneten Treiben von Fluxus Happenings nahe und Speed Pitching gehört unter dauerhaften Finanzierungsdruck ebenfalls zum Alltag jeder Kulturinstitution. Der Wandel der geniehaften Kunst hin zum Kulturmanagement scheint also nicht nur logisch, sondern auch nötig. Veränderung lässt sich nicht aufhalten, aber strategisch planen und organisieren. BWL ist kein Zauberwerk, ebenso wenig wie das leibhaftige Böse. Es öffnet neue Möglichkeiten, Innovationen, die wahrscheinlich auch in Zeiten des Post-Kulturmanagements nicht verloren gehen werden.

Wer also mehr zu den neuen Themen und Trends der Gründerszene, Startup Welt oder Kunst- und Kulturbranche wissen wollte war und ist auf der next, der co:funding – einer Nebenveranstaltung der re:publica, oder der Heureka gut aufgehoben. It’s all about passionate people, ideas, strategies and execution!

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