Lebenswerk Künstler

Interdisziplinäre Herausforderung

 

Volkskrankheit. Depression, Burnout. Unzufriedenheit.. Deutschland erschafft sich selbst Krisen, schafft sich selbst ab. Ist das so? Sind wir sonst unglücklich oder ist es nur eine Branchen- bzw. Berufsbegleiterscheinung?

„Chill-mal!“ Da kann man ja nur an die Decke gehen.

Was wenn ausruhen, zu gut Deutsch, nicht geht. Was wenn 1000 und eine Verpflichtung, Idee oder noch schlimmer das eigene Ego oder doch das Über-Ich einen ständig weiter treibt. Nicht stehen bleiben. Weiter. Nicht nachdenken. Weiter.
„Die Kunst ist da anders, da kann man am Ende des Tages wenigstens noch in den Spiegel schauen“, das habe ich in der letzten Woche schon 2 Mal gehört. Von Menschen, die in der Kulturbranche tätig sind. Immer wieder die gleiche Frage. Zufall? Ach ja, ich denke nicht. Wir wollen höher, weiter, schneller. Alle. Zumindest in Deutschland, in Europa. Natürlich SEHR verallgemeinert, aber eben auf den Punkt gebracht. Geert Hofstede ist das Ganze wissenschaftlicher angegangen, hat einzelne Kulturen politisch korrekt segmentiert und analysiert, also nicht einfach in Schubladen gesteckt. Guter Mann. Untersuchungsmerkmale waren, vereinfacht herunter gebrochen, Macht, Individualismus, Geschlechtsausrichtung, Zeitplanung, Unsicherheitsvermeidung und der Spaßfaktor als innere Motivation. Was kam heraus? Das Gleiche, naja Ähnliches. Will ja keiner Polemisch wirken. Aber mal im Ernst. Wir Deutschen, wir Christen oder wir Abendländer, welches „WIR“ man auch wählt, wahrscheinlich auch wir Menschen, oder nur wir Einzelfälle. Wir alle suchen, überspitzt gesagt, den Sinn des Lebens, so hoch möchte ich jedoch nicht fliegen. Absturz vorhersehbar. Aber vielleicht das Glück. Ober eben, das was uns ausmacht, was uns erfüllt, antreibt, motiviert. Intrinsisch, wie extrinsisch. Glaubt man den Medien, so ist es bei manch einem nur noch das Geld, bei anderen- gerne bei Jugendlichen- sind es die Drogen, beim Nächsten die Religion. Was ist mit allen Anderen. Ein Herr voller Angetriebenen oder auch Antriebslosen. Egal. Alle haben wir für uns eine Daseinsberechtigung, oder zumindest eine grobe Vorstellung davon, oder sind eben die ewig Hadernden, auf der Suche, nie zufrieden. Woher kommen wir, wohin wollen wir. Kein Plan. Wie schon einmal erwähnt hilft vielen das „Bewusstsein“ gut zu sein. Also besonders nachhaltig, besonders politisch, besonders künstlerisch, engagiert, sportlich, tatkräftig, kritisch. Ein Anfang oder Selbstbetrug. Nicht nur eine Lebensweisheit würde sicher sagen: die goldene Mitte macht’s! Bauernschläue. Von allem ein bisschen von nichts zu viel. Wobei wir, meiner Meinung nach, wieder bei den Kulturwissenschaften (Geisteswissenschaften: Philosophie, Soziologie, Geschichte, Kunst, Sprachen) sind. Das eine Feld gibt es eben nicht. Alles ist verzahnt, verstrickt, vertrackt sogar. Kein Grund zu Verzweifeln. Nur der Ordnungswahn drängt uns in diese Sackgasse. Alles einsortieren zu wollen, auf der Suche nach Wahrheit, Erkenntnis, validen Theorien, Modellen, Strukturen. Am Ende immer das gleiche Ergebnis: Ich weiß, das ich nichts weiß. Na toll soweit war schon Aristoteles und das so lange zurück, dass man es sich gar nicht mehr vorstellen mag. Seitdem kein Stück weitergekommen, die ganze Menschheit? Aufgeben, bleiben lassen? Oder stecken vielleicht Antworten in Teilaspekten? Der Wissenschaft, der Religion, der Wirtschaft etc.. Jede Theorie nur so lange tragbar, wie nicht das Gegenteil bewiesen wird. Endlose Schleifen. Bleibt nur learning by doing, jedes Kleinkind hält sich daran. Wann hat Fliegen aufgehört fantastisch zu sein? Indem Moment, indem man darüber nachdachte und begriff was es wirklich bedeutet. Das Risiko im Fokus vergeht jeder Spaß, jede Vorfreude, erstickt jede Idee. Fazit: Scheuklappen geht nicht. Aufgeben zählt nicht. Nur Empirie oder Theorie geht auch nicht.

Der Problemlöser und Freigeist des bürgerlichen 18. Jhd. war der Künstler, der innovative Enthusiast des 20 Jhd. war oder ist der Entrepreneur, bloß kein Manager, ganz negativ behaftetes Wort.

Die Lösung, vielleicht eine, eigene Wege gehen, eigene Interessen verfolgen, mit sich im Reinen sein, ist man eh nie. Aber Neues finden, sich selbst finden, sich erweitern, austauschen, Perspektiven wechseln scheint zumindest vielen gut zu tun. Den roten Faden finden, auch wenn Text und Überschrift nicht zusammen passen.

  1 comment for “Lebenswerk Künstler

  1. LK
    April 26, 2012 at 7:43 pm

    Ganz schön wirr, was du alles miteinaner verbinden kannst.
    Zunächst eine Anmerkung bezüglich Hofstedes Studie: Es wurde schon häufig kritisiert, dass seine 5 Dimensionen zur Überprüfung der Kulturen zu gering und zu wenig diversifiziert sind, ebenso wie er eine Masse von IBM Mitarbeitern befragt hat, die also auch alle ein und der selben einflussnehmenden Unternehmenskultur unterstanden. Die sich schließlich ähnelnden Resultate können also zT diesem Fakt zugeschrieben werden.
    Ansonsten magst du natürlich Recht haben, dass alles in einer Sinnsuche bzw. einer Suche nach der intrinsischen Motivation mündet.
    Deinem stream of consciousness hier folgend möchte ich zudem auf folgende neue Volkskrankheit hinweisen – wenn wir schon über Burn Out, den neuen Modetrend sprechen – die sogenannte „Quarter Life Crisis“, die das Gefühl beengender, beängstigender Freiheit der Mittzwanziger beschreibt. See this http://www.welt.de/wissenschaft/article13625896/Was-Endzwanziger-in-die-Quarterlife-Crisis-treibt.html

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