Gratwanderung der zeitgenössischen Dialektik

„Sie erleben an sich selbst, dass jede Beobachtung, jede Perspektive, jede Diagnose, jedes Statement, jeder Anspruch und jede Zumutung auch noch anders hätte ausfallen können. Vielleicht war das immer so – was aber das Moderne der modernen Gesellschaft ausmacht, ist die Erfahrung, dass wir die bloße Differenz, die bloße Unterschiedlichkeit von Perspektiven nicht mehr per se als problematisch oder illegitim ansehen. Wir haben uns letztlich daran gewöhnt, dass die Dinge mehrfach codiert sind, eben: uneindeutig.“, Armin Nassehi.

Schade. Nichts mit einfach. Gemein. Verwirrend. UNEINDEUTIG. Deshalb sind ich und meine Generation so depressiv, würde Samy sicher sagen. Aber hilft ja nicht. Ist ebenso. Kopfschmerzen vorprogrammiert. Egal über welches Problem, welchen Zustand, welche Idee man nachdenkt. Immer ein Januskopf. Wobei ich mich an die beiden Startups heute Abend beim Ideen Slam erinnere. Beide fair, beide öko, beide GREEN. Usedful und underWHERE. Zufall? Oder eher unser Zeitgeist. Ein bisschen Eindeutigkeit: Öko = gut. Schön einfach. Super Ideen jedenfalls, eine diskussionsfreudige Runde und wieder viele Denkanstöße. Welt verbessern, wer macht was, wie, wieso, weshalb, warum. Nach 10 min ist aber Schluss. Wieder so eine Doppelung: 10 min. 10 min Philosophie war auch heute, wie jeden Dienstag um 12h am Campus in HS 3. Dieses mal das Thema: „Havel: Versuch in der Vergangenheit zu leben“. Aber Kultur lebt auch in der Zukunft, denn auch hier scheinen sich die Formate zu verändern. Klassisch endlose Frontalvorträge weichen Symposien, BarCamps, 10min Pitches und offenen Fragerunden. Austausch, straffere Zeitplanung, aktiv beteiligt – passt in die Handtasche. Schade? Wollen wir Lunch-Konzerte und Kultur-to-go-Formate? Eine Antwort wäre hier sicher voreilig. Lebbar sind sie in jedem Fall, passen zum Zeitgeist, zum Alltag, zur Realität. Ob die Wissenschaft zu kurz kommt, Zeit beschleunigt wird, Forschung manipuliert wird..? Kopfschmerzen. Fest steht, dass auch die Kreativgesellschaft Hamburg in ihrem Jahresbericht 2012 als wichtigste 4 Handlungsempfehlung für Kulturinstitutionen Anerkennung, Innovationspotential, Transparenz und Atmosphäre nennt. Daraus leitet sich für mich ab: verändern wo es nötig und sinnvoll erscheint, dem Publikum entgegenkommen, aber authentisch bleiben. Wie schafft man das? Wie kann sich das Kunstfeld treu bleiben und doch Grenzen öffnen? Wie Publikum einbeziehen, es zu Akteuren machen, aber sich nicht verbiegen? Was heißt es zeitgenössisch zu arbeiten?

Um die Kopfschmerzen zu beheben und ein wenig Eindeutigkeit zu suchen, hier ein Versuch der Top-10-To-Do-Liste für Kulturinstitutionen in Sachen „Kultureller Wandel 3.0“, keine Weisheiten, keine Regeln, einfach nur..

„10 standART Tipps“

1. Digitale Präsenz: Homepage, Blog, Newsletter, Forum/ Gästebuch/ Kommentarfunktion, IPhone App bzw. Smartphone Kompatibilität.
2. Social Media: Twitter, Facebook Page, und RSS Feed als Standard. Xing, myspace und ander Profile (entsprechend der jeweiligen Branche bzw. dem Medienschwerpunkt) als Extra.
3. Kommunikation: Zu extern gehört unbedingt auch interne Kommunikation. Mindestens einen Hauptverantwortlichen für Technik, plus einen für Pflege, Texte, Kommentare.
4. Intern II: Gemeinsamer Kalender, Doc Dateien, z.B: Dropbox, Posterous, Wiki -Sammlung oder ähnliches. Hier muss eventuell darüber entschieden werden, ob man Infos „in die Cloud“ übergegen möchte. Transparenz wo Transparenz nötig ist, natürlich aber nichts Vertrauliches, Medienbrisantes, Persönliches, Unbesprochenes etc veröffentlichen.
5. Kundenbedürfnisse I : Aktuelle Homepage, Interaktivität, Ansprechpartner als Standard. Extras wie z.B. online Ticketverkauf: amiando oder Gallerieansicht: Google Art Project (Kritik hier) einbauen.
6. Kundenkontakt II : Sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten, z.B. Museumspädagogik, digitale Medien in Ausstellungskonzepte einbauen, einfache Leitsysteme, Formate offener gestalteten, Umweltschutz bedenken und thematisieren, eventuell sogar Ökostrom?
7. Netzwerk: Vergrößern, pflegen. Regionale Institutionen, Studenten und Vereine einbeziehen, immerhin steigt der Bedarf an Ehrenamtlichen.
8.Diskurs: Mit diskutieren, Infos sammeln, über sich, andere, Politik etc. in Foren, auf Blogs, auch Facebook-Seiten.
9.Kritik: Aufnehmen, verwalten, antworten, besser machen. Evaluieren.
10.Publikumsanalyse: Umfragen ( z. B. mit survey monkey), Daten, Fakten erheben, forschen.

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