Provinz Kunst oder Kunst Provinz

..so lautet nicht nur die Fragestellung eines neues Forschungsprojekt (KKD-Kunst und Kultur Distrikte) des Inkubators an der Uni Lüneburg, der Name scheint Programm für vieles was momentan in der Kunst vor Ort geschieht. Blickt man sich in Lüneburg erst einmal um, sieht man überall Vereine, Netzwerke, Kollektive und „Kulturelle Gruppen“ aus dem Boden sprießen. Dr. Prof. Kirchberg hat schon vor einigen Jahren eine soziale Netzwerkanalyse der Stadt erhoben, analysiert und in einer Karte visualisiert. Damals noch mit der Halle für Kunst, dem Literatur Büro und den Kirchen im Zentrum. Als wichtige Knotenpunkte galten aber auch sogenannte Akteure, deren Vernetzungsgrad eine besonders hohe Dichte erzielte. Darunter z.B. Jürgen Landmann, aber auch Friedrich von Mannsberg. Wie aber sehe eine solche Karte heute aus? Damit beschäftigt sich zur Zeit unter anderem Thore-Magnus Debor im Projekt zuendwerke. Auf der Homepage ruft er dazu auf mit der Kategorisierung von Initiativen, Gruppen und Projekten nach den Bereichen Umwelt, Bildung & Soziales, Ökonomie und Kunst & Kultur einen Anfang in Sachen Visualisierung der Vielfalt und Kooperatinsmöglichkeiten in Lüneburg zu machen. Gleichzeit startet die Uni den Versuch „Provinz Kunst- Kunstprovinz“ zu analysieren, indem sie gemeinsam mit dem Inkubator einen eigenen- den Daniel Frese- Preis ausruft, aber auch Symposien und Diskussionsrunden zu dem Thema plant. Im Kulturstammtisch treffen sich Kulturpolitik, Kreative und Interessierte und Künstler Kollegen führen schon seit Langem regelmäßige „Status Quo“ Treffen durch. Bewegt sich Lüneburg also langsam aber sicher auf eine strukturierte, analysierte, geordnete Kunst und Kulturlandschaft hin? Oder ist es die schiere Vielfalt, das Engagement und das Verlangen dieses bekannt zu machen, dass immer mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkt? Kunst hat was. Lüneburg auch. Kunst, Musik, Festivals, Hansetage, Bühnen, Seminare.

Auch heute fand das Tanztheaterstück: Wir sinken, darf ich mit Ihnen schwimmen? im T.3, nur als eine unter vielen Verantstaltungen statt. Doch es schaffte Raum für sich. Raum, Stille, Lärm, Farben und Kraft. Pina Bausch scheint noch immer zu leben, auf jeder einzelnen Bühne, die sich an ihre Bildsprache, ihre Ausdrucksgewalt erinnert. Zufall, Absicht? Gekonnt. Obwohl die Mehrheit der Darsteller noch mit Zahnspange sichtbar im Teenageralter steckten, waren die Bewegungen mitreißend, zauber- oder sonderbar. Themen um Leben, Tod, Krise, Zukunft, Alltag und ironischer Ignoranz des unvermeidlichen Untergangs wurden leicht und spielerisch, aber deutlich spürbar und impulsiv vorgetragen. Einige Mädchen flüchteten beim Applaus, andere ließen ihn prasselnd auf sich nieder regnen. Eine Kleine in rot, lange braune Locken, platzte gar vor Stolz. Das Funkeln in den Augen war echt. Sie hat Feuer geleckt, Blut würde es nicht treffen. Dieser Wille, der Welt den Kampf anzusagen, in die eigene Zukunft zu rennen, sich seine Träume aus dem Leib zu spielen, im Tanz und Rhythmus der Klänge unter zugehen.. nicht einfach mit zu schwimmen. Das kam rüber. Vielleicht wird Sie ja auch Teil des Lüneburger Kulturraums? Nein, sie ist es schon, offen für alle. Alle, die etwas bewegen: sich selbst!
Perspektivwechsel im Kulturbereich entspricht der zeitgenössischen Lebenswelt. Nicht abgeschlossen, gemeinsam. Ob das nun besser oder schlechter ist, es ist Realität. Uneindeutig, krisenhaft, aber überall lebhaft spürbar.

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